Mietervereine im Raum Hagen

Der aktuellen Ausgabe der Zeitung für Mieter „Wohnen Aktuell“, die sich am 10.07.2008 auch in unserem Briefkasten befand, kann entnommen werden, dass der Mieterverein durchaus stolz auf sich zu sein scheint.

Da heißt es, dass 6596 persönliche Rechtsberatungen durchgeführt worden seien, verteilt auf – wie es heißt – 7 Rechtsanwälte und einen Diplomjuristen, also 8 Köpfe.

Wir mutmaßen, dass jeder von denen 5 Tage in der Woche arbeiten geht und jeweils einen 30-tägigen Urlaubsanspruch wahrnimmt, jeder also abzüglich der Feiertage ca. 220 Tage im Jahr arbeitet. Vielleicht ziehen wir jedem noch 10 Tage Krankheit ab – wie gesagt, alles nur Mutmaßungen –, so bleiben jedem 210 Arbeitstage.

Teilen wir mal die stolze Zahl der Beratungen durch die Personen und die gemutmaßten Arbeitstage, so entfallen auf jeden knapp 4 Beratungsgespräche. Zweifellos gibt es – wie wir selber wissen – langwierige Beratungsgespräche. Diese werden aber – gemessen an dem Schriftverkehr des Mietervereins, der bei uns landet -, eher die Ausnahme sein.

Wir schätzen mal, dass da im Schnitt Zeiten von ca. 15 – 20 Minuten, vielleicht auch eine halbe Stunde zustande kommen. Demnach berät jeder jeden Tag für 2 Stunden. Ja, gut…

Auch der Mitgliedsbeitrag ist im Artikel mit wenigen Zeilen erwähnt. 50 €, das scheint nicht viel zu sein, das kann sich jeder leisten. Ja, gut…

Sogar die Briefe, die der Mieterverein im Jahr schreibt wurden gezählt. Stolze 8742 Briefe wurden geschrieben. Ja, gut…

Unterstellt man, dass es dort im Hause neben den Herren Rechtsanwälten niemanden gibt, der Briefe schreiben kann, so ergibt sich eine „Pro-Kopf-Quote“ von fast 1093 Briefen, verteilt auf 210 Arbeitstage sind das pro Tag gute 5 Briefe. Das wäre schon ein ganz guter Schnitt, allerdings sind die Briefe des Mietervereins, die uns vorliegen, überwiegend 3-Zeiler, so dass sich diese Zahl recht schnell relativiert.

Wir selbst schreiben im Übrigen auch recht viel, und wer uns kennt, der weiß, dass wir in der Regel eben keine Dreizeiler schreiben. Wir haben uns mal den Spaß gemacht unsere EDV zu befragen, wie viele Briefe wir denn so schreiben. Im Jahre 2007 kommen wir auf 1844 Briefe. Im Jahre 2006 waren es 1920. Im Jahre 2005 kamen wir auf stolze 2004 Briefe. Wir allerdings schreiben unsere gesamten Korrespondenzen mit 1,5 Köpfen. Unsere „Pro-Kopf-Quote“ lag in den genannten Jahren bei 1229, 1280 und 1336. Aber darauf sind wir nicht stolz. Können wir auch gar nicht, und auch der Mieterverein sollte nicht stolz darauf sein. Korrespondenzen bedeuten in den meisten Fällen Auseinandersetzungen, an denen wir nichts Erstrebenswertes erkennen können. Das mag der Mieterverein anders sehen.

Weiter heißt es in dem Artikel, dass man sehr viele Mitglieder habe, die dem Mieterverein seit vielen, vielen Jahren die Treue halten. Wenn wir die dort genannten Zahlen richtig interpretieren, kommen wir auf 5557 Mitglieder. Das ist tatsächlich eine stolze Zahl. Da wäre jeder Haus und Grundeigentümerverein stolz drauf. Aber ist ja auch klar, es gibt nun mal wesentlich mehr Mieter als Vermieter.

Interessant wird es, wenn man mal die Mitgliederzahl mit dem fälligen Jahresbeitrag verknüpft. Stolze 277.850,00 € fließen demnach aus Mitgliedsbeiträgen im Jahr in die Kasse des Mietervereins. Wir ziehen jetzt mal pauschal 27.850,00 € für Miet – und sonstige „Nicht-Personal-Kosten“ ab – und das ist noch nicht einmal hoch gegriffen –, so verbleiben 250.000,00 €. Noch einmal sei betont, alles nur gemutmaßt!

Also teilen sich die 8 Anwälte nun 250.000,00 €? Nein, kann nicht sein. Bestimmt arbeiten dort auch noch Bürogehilfen und Sekretärinnen. Es muss also weniger sein. Lassen wir das mal außer acht und teilen 250.000,00 € durch 8, so ergibt sich, sofern der Mieterverein alles, was er einnimmt auch wieder ausschüttet, ein Jahresbruttogehalt von 31.250,00 €. Das entspricht einem monatlich Bruttolohn von 2.604,17 €. Nein, kann auch nicht sein. Hochqualifizierte Rechtsanwälte und Juristen gehen für ein solches Gehalt – und zudem noch ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld – ganz sicher nicht arbeiten.

Allerdings kommt ja jeder, wie oben aufgeführt, auch nur auf 2 Stunden Beratungszeit. Dafür wäre es natürlich gutes Geld. Aber das stimmt natürlich auch nicht. Die Beiträge fließen natürlich nicht oder wenigstens nicht in voller Höhe in die Gehälter der Herren Rechtsanwälte.

Wie also funktioniert das?

Der Mieterverein finanziert aus den Mitgliedsbeiträgen oder zumindest aus einem Teil davon eine Rechtsschutzversicherung. Diese übernimmt für die Mitglieder des Vereins im Falle von Rechtstreitigkeiten die Kosten für Anwalts- und Gerichtskosten.

Ach so!

Das ist ja das Tolle am Mieterverein. Jeder kann sich völlig bedenkenlos in einen Rechtsstreit stürzen, und sei er noch so unsinnig. Das spielt überhaupt keine Rolle. In Kreisen, die sich mit diesen Dingen auseinandersetzen müssen, ist bekannt, dass die Rechtsschutzversicherung die Deckung in den bekannten Fällen eigentlich immer zusagt.

Aber wenn doch die Mitgliedsbeiträge gar nicht als Gehalt ausgezahlt werden, sondern die eine Rechtsschutzversicherung investiert werden, wovon leben denn dann die Herren Rechtsanwälte wirklich? Nicht aufgepasst? Die Rechtsschutzversicherung übernimmt auch die Anwaltskosten.

Wären wir jetzt niederträchtig, könnten wir auf die Idee kommen, dass die Damen und Herren des Mietervereins es „in Einzelfällen“ darauf anlegen, ihre Mitglieder auch dann in einen Rechtsstreit zu führen, wenn dieser aussichtslos zu sein scheint.

Denn, das Honorar der Herren Rechtsanwälte ist gesichert, egal ob sie Ihre Fälle gewinnen oder verlieren. Das kommt von der Rechtsschutzversicherung. Praktischer geht’s doch gar nicht. Der Mieterverein profitiert, der Mieter profitiert zwar nicht, hat aber keine Kosten. Das Nachsehen haben die Vermieter.

Dafür würde auch sprechen, dass die Damen und Herren des Mietervereins – zumindest in den mir bekannten Fällen – die Geschichten ihrer Mitglieder noch nie auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft haben. Man nimmt sie wie sie kommen, es bringt ja schließlich Geld.

Dafür würde auch sprechen, und nur dieser Umstand veranlasst uns diesen Gedanken zu spinnen, dass in dem Artikel, in dem man so stolz auf sich zurückblickt, nicht ein Wort darüber verloren wird, wie hoch denn die Erfolgsquote bei den geführten Rechtsstreiten ist. Das wäre doch mal eine Zahl, anhand derer man sich zu den Qualitäten des Vereins äußern könnte. Die Anzahl der geführten Gespräche oder das Aufzählen der Briefe sagt dagegen absolut nichts aus.

Aber wir sind nicht niederträchtig, also würden wir solche Behauptungen niemals aufstellen, aber man darf ja mal laut denken.

Verfasst im Juli 2008