Der Flohnunfall

Ein Tag, den ich in meinem Leben nie wieder vergessen werde. Es sollte ein Angebot über die Sanierung einer Wohnung in Eckesey erstellt werden. Mit dem Malermeister Koberzin wurde verabredet, am Mittwoch, den 03.09.2008 morgens um 10.00 Uhr bei einem gemeinsamen Ortstermin den Umfang der durchzuführenden Arbeiten festzustellen.
Dort angekommen, begaben wir uns gemeinsam in die Wohnung. Zunächst fiel uns, bzw. mir gar nichts Besonderes auf. Erst später wurde mir bewusst, dass ich dem Umstand, dass irgendetwas an mir “rumkrabbelte” keine Aufmerksamkeit zukommen ließ. Unbewusst streifte ich das “Krabbeln” von den Armen, aus dem Nacken und aus dem Gesicht.
Nach der getaner Arbeit verließen wir die Wohnung und begaben uns zu meinem Auto. Erst jetzt nahm ich bewusst war, dass da sehr kleine schwarze oder dunkelbraune Insekten auf meiner Kleidung und insbesondere auf den Armen herum krabbelten.

Noch immer nahm ich die Sache nicht ernst. Wir stiegen ins Auto und machten uns auf den Weg zurück zu meinem Büro.
Noch während der Fahrt, wurde mir dann allerdings bewusst, dass ich eine Unmenge dieser kleinen Insekten an meinem Körper herumschleppte. Langsam wurde mir mulmig. Hektisch begann ich noch während der Fahrt die Insekten von meinem Körper zu streifen. In meinem Büro angekommen, entledigte ich mich sofort meines Hemdes und schüttelte es aus.
Jetzt erkannte ich auf dem hellen Laminat erstmals die kleinen dunklen und hüpfenden Punkte als Flöhe. Ich fuhr sofort nach Hause, zog mich vor der Tür aus und sprang unter die Dusche.
Die Viecher saßen überall, an den Beinen, auf den Armen, in Ohren und Bauchnabel.

Stiche, bzw. Bisse konnte ich zu diesem Zeitpunkt an meinem Körper noch nicht feststellen. Die Kleidung, die ich trug, landete sofort und umgehend in der Waschmaschine.

Noch ahnte ich nicht, was da auf mich zukommen würde. Ich nahm also weitere Termine wahr, ohne mir Sorgen zu machen.
Gegen Mittag betrat meine Mitarbeiterin, die ich natürlich vorab angerufen hatte, um sie vorzuwarnen, das Büro. Aufgrund des Umstandes, dass nun eine ganze Schar Flöhe munter in meinem Büro herumsprang, veranlasste ich meine Mitarbeiterin noch die Firma Wagenschwanz, einen Kammerjägerbetrieb, anzurufen und einen Termin für den Nachmittag zur Beseitigung der Flöhe zu vereinbaren, und entließ sie für diesen Tag nach Hause.

Die Firma kam auch noch am selben Tage, sprühte das Büro mit entsprechenden Giftstoffen ein und informierte mich darüber, dass es nun für einen Zeitraum von 6 Stunden nicht mehr betreten werden dürfte, da diese Gifte für diesen Zeitraum auch für Menschen schädlich seien.

Für den nächsten Tag wurde vorsorglich ein Termin zur Flohbekämpfung in meinem Hause vereinbart. Ich ging, da ich noch immer keine Folgen des “Flohunfalls” wahrnahm, davon aus, dass diese eine Nacht kein Problem darstellen würde.

Und so war es auch. Ich hatte nur wenige Flöhe mit nach Hause gebracht. Wenn ich Sie sah, fing ich sie ein und entsorgte sie über die Toilette. Zerdrücken kann man die Tierchen ja nicht. Trotzdem war der Einsatz des Kammerjägers natürlich vonnöten, da Flöhe sich unglaublich schnell vermehren. Selbst wenn ich nur eine Hand voll übersehen hätte, wären auch daraus in kürzester Zeit ganze Heerscharen entstanden.

In der Nacht stellen sich dann zunächst harmlos und später kaum zu ertragen, die Folgen der Geschichte ein. Überall am Körper bildeten sich kleine rote Quaddeln, die fürchterlich zu jucken begannen. Ganz früh am morgen des nächsten Tages begab ich mich in Hautklinik des Allgemeinen Krankenhauses. Dort angekommen, erzählte ich meine Geschichte, und ich konnte in dem Gesicht der Stationsschwester die Sorgenfalten darüber erkennen, ob sich an meinem Körper wohl noch ein paar von den Tierchen befinden. Nachdem ich sie beruhigt hatte, wurde ich aufgefordert mich auszuziehen.

Ich hatte den Eindruck, dass die Schwester tief beeindruckt war. Sie veranlasste, dass ich umgehend am ganzen Körper mit feuchten kühlenden Tüchern eingewickelt wurde. Man gab mir Tabletten gegen den Juckreis und wies mich mehrfach darauf hin, dass ich jetzt nicht mehr Auto fahren dürfte.
Man wies mir eine Liege zu, auf der ich auf den Chef, der gerade zur Visite auf der Station unterwegs war, warten sollte. Und so lag mich eine kleine Weile dort, bis Herr Dr. K. erschien und sich die Sache ansah. Umgehend rief er sein gesamtes Team zusammen, denn in dieser Ausprägung hatte auch er einen solchen Flohstichbefall noch nie gesehen.
Als nächstes wurde ich von allen Seiten fotografiert. Möglicherweise landen diese Bilder irgendwann in einem medizinischen Lehrbuch.

Herr Dr. K. wies die Schwester an, mich vollständig mit einer kortisonhaltigen Salbe einzureiben. Darüber hinaus verschrieb er mir eine ebenfalls kortisonhaltige Flüssigkeit, mit der ich mich täglich eintupfen sollte und irgendwelche Tabletten gegen den Juckreiz.

Die Schwester versicherte mir, dass die meisten der Stiche in 2 – 3 Tagen verschwunden sein würden.

Leider hatte sie nicht recht. Es folgten Wochen, über die ich von unglaublichem Juckreiz gequält wurde. Mehrfach habe ich die Praxis den Herrn Dr. K. aufsuchen müssen. Augenscheinlich reagierte mein Körper extrem auf die Flohbisse. Solange ich sie regelmäßig mit der kortisonhaltigen Flüssigkeit betupfte, konnte ich es gut aushalten, aber die Quaddeln verschwanden nicht. Ein deutlich sichtbarer Rückgang stellte sich erst ein, als eine Kortisonbehandlung über Tabletten eingeleitet wurde.
Die Schwellungen gingen langsam zurück und viele Stiche waren bald nicht mehr zu sehen. Kaum jedoch wurde das Kortison abgesetzt, tauchten die bereits verschwundenen Stiche wieder auf.

Man beschloss eine Hautprobe zu entnehmen um sich zu vergewissern, dass da nicht noch etwas anderes eine Rolle spielt. Man hatte den Verdacht, dass nun eine Hautkrankheit ausbrach, die durch die Flohbisse quasi ausgelöst worden ist. Also musste ich mich in diesem Zusammenhang auch noch einer kleinen ambulanten OP im Allgemeinen Krankenhaus unterziehen.

All das stellte sich als falsch heraus. Am Ende hatte ich schon das deutliche Gefühl, dass man eigentlich keine Ahnung hatte, womit man es hier zu tun hatte. Also nahm ich zunächst wieder höher dosiertes Kortison. Diese Behandlung brachte dann endlich, allerdings erst Monate später, fast vollständige Heilung. Noch heute (Februar 2009), also 5 Monate später, gibt es noch einige Stellen, die erkennbar auf den „Flohunfall“ zurück zu führen sind.

Verfasst Februar 2009